Saman Shirvani und Der Kreis des Lebens
Zusammen leben

Kunst lässt Grenzen überwinden

Porträt

Kunst lässt Grenzen überwinden

Von Stefanie Strunk

Saman Shirvani wurde am 29.04.1989 in Ilam im Iran geboren. Dort hat er seinen Bachelor als Architekt belegt und bereits vier Jahre Berufserfahrung gesammelt.

Saman Shirvani mit seinem Lieblingsbild „Der Kreis des Lebens“ (Foto: Stefanie Strunk)

Inzwischen ist er seit vier Jahren in Deutschland. Er sagt, er sei zufällig hier gelandet. Sein Plan war, aus dem Iran zu flüchten, wohin war ungewiss. Das für ihn Wichtigste ist, seine Freiheit zu haben. Seine Liebe gehört der Malerei. Dieser hat er auch seine gute Integration in Gütersloh zu verdanken.

Inzwischen würdigten mehrere Einzelausstellungen seine Kunst. Zuletzt waren seine großformatigen Bilder im Juni im Café Nes am Dreiecksplatz in Gütersloh zu sehen. Auch sein Lieblingsbild war dort ausgestellt, „Der Kreis des Lebens“. Die unterschiedlichen Farben in seinem Kreis haben jeweils eine Bedeutung: Gelb steht für Hoffnung, Blau für den Himmel und für die Freiheit, Weiß für Frieden und das Neutrale sowie Rot für die Liebe.

Das Café Nes ist für ihn ein besonderer Ort, der von seiner „Mutter“ Nesrin Sayar geführt wird. Nesrin ist gebürtige Türkin und erzählt, wie sie mit eigenem Migrationshintergrund zufrieden in Gütersloh lebt. Durch den Laufsport ist sie auf Saman gestoßen und hat sich ihm und fünf weiterer junger Männer als „Mutter“ angenommen. Salman liebt das Laufen. Es ist Aufgabe einer Mutter, ihre Söhne – auch die angenommenen – auf eine selbständige Zukunft vorzubereiten, und so bringt sie auch Saman das deutsche Leben näher.

Nesrin Sayar im Café Nes (Foto: Stefanie Strunk)

Sie findet es unumgänglich, die deutsche Sprache zu sprechen, um sich angemessen zu integrieren und entsprechend am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Sie motiviert ihre „Familie“, lernt und lacht mit ihnen. Als Zentrum hat sie das Café Nes gegründet, in das Gäste für Kaffee und Kuchen kommen. „Ich lerne hier mit meiner Wahlfamilie“, sagt Nesrin. Man tauscht sich aus – mit Fremden und mit Freunden.

Auf die Frage, was für ihn Demokratie bedeute, antwortet der dreißigjährige Iraner: „Für mich gibt es nirgendwo Demokratie. Wenn wir von Demokratie sprechen, dann sollte es eine Welt ohne Grenzen sein. In der Welt, aber auch im Kopf, was noch viel wichtiger ist. Man sollte alles Gute machen dürfen.“

Was er von seinem Leben in Deutschland erhofft: Freiheit, etwas Neues erleben, lernen. Die Integration hier hat er zunächst als eher schwierig empfunden; er findet, Deutsche scheuen oft den offenen Kontakt. Er empfindet Deutsche als eher vorsichtig und zurückhaltend. Doch neben dem Sport hat ihm die Kunst als seine Sprache geholfen, Beziehungen aufzubauen.

Aktuell arbeitet Saman Shirvani als Architekt. Hier, im Architekturbüro Heitmann, kann er täglich Neues lernen mit seinen Kollegen, die ihn sehr gut aufgenommen haben und mit denen er sich sehr wohl und gleichberechtigt fühlt. Er hat bereits an zehn Seminaren über das deutsche Baurecht partizipiert, welches sich doch sehr von dem seiner Heimat unterscheidet. Im nächsten Semester kann er endlich seinen Master der Architektur beschreiten. Mit einem erfolgreichen Abschluss könnte er sich als Architekt in Deutschland listen.