Beate Wolff Welthaus Bielefeld (Foto: Stefanie Strunk)
Zusammen leben

Gelebte Demokratie

Zum Jahr der Demokratie

Gelebte Demokratie

Das Welthaus Bielefeld beteiligt sich mit einem Projekt zur Stärkung Ehrenamtlicher

Von Stefanie Strunk

Wenn ich an Bielefeld und Demokratie denke, dann fällt mir zuerst das Welthaus Bielefeld ein. Viele kennen es als Veranstalter des „Carnival der Kulturen“. Komisch: So richtig habe ich nie darüber nachgedacht, was genau dahinter steckt. Deshalb verabrede ich mich mit der Geschäftsführerin des Welthaus Bielefeld, Beate Wolff, die mir ausführlich erzählt, was das Welthaus alles macht und welches sein Beitrag zum Jahr der Demokratie ist.

Beate Wolff Welthaus Bielefeld
Beate Wolff Welthaus Bielefeld (Foto: Stefanie Strunk)

Beate Wolff ist seit über zwei Jahren Geschäftsführerin des Welthaus Bielefeld. Das Welthaus ist ein entwicklungspolitischer Verein und setzt sich für eine global gerechte Welt und Wirtschaftsordnung ein, für die Achtung der Menschenrechte. Dabei orientiert sich das Welthaus an den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen, den „Global Goals“.

Für Beate Wolff bedeutet Demokratie zum Einen im wörtlichen Sinne, dass das Volk mitentscheidet. Wichtig an Demokratie sei, dass sie auch gelebt werde. Dass man über die Beteiligung an Wahlen hinausgehe und im Alltäglichen für eine demokratische Gesellschaft eintrete. Für sie bedeute Demokratie zu partizipieren, Forderungen an die Politik zu stellen und diese mit Nachdruck zu verfolgen. Argumentieren, warum man bestimmte Positionen für wichtig halte.

„Demokratie“, sagt Beate Wolff, „bedeutet auch, sich aus sich heraus in Freiheit beteiligen zu können. Das erfordert Diskussionen, Reflexionsbereitschaft, dass man weiß, wie man sich beteiligen kann, es erfordert bestimmte Handlungskompetenzen.“

Für genau diese Handlungskompetenzen beteiligt sich das Welthaus Bielefeld am Jahr der Demokratie. Für sein Projekt „Mitmachen, verändern, Wirksamkeit erleben: Ehrenamtliche Partizipation als Baustein demokratischen Handelns“ erhält es dafür Förderungsmittel der Stadt Bielefeld.

Einladung zum Mitmachen

Beate Wolff berichtet, wie das Projekt aufgebaut ist: Es gibt drei Projektbausteine, die von der Stadt mit einer Beteiligung an den Sachkosten gefördert wurden.

Ehrenamtliche werden motiviert, sich in der Thematik „Ernährungssouveränität“ zu engagieren. Sie erarbeiten Vorträge und engagieren sich in der Veranstaltungsorganisation. Es gab eine Vortragsreihe zur fairen Woche im September. Das Projekt hat thematische Schwerpunkte; der Fokus liegt aber auf dem Ehrenamt, sich überhaupt zu engagieren. Das Ziel: Menschen motivieren, sich zu engagieren. Möglichst viele dafür gewinnen zu partizipieren.

  • Eine Mitmach-Workshopreihe befasst sich mit dem Thema Umwelt: Mit Kreativität wurde das Thema Upcycling bearbeitet. Als Highlight wurde ein Fisch aus Draht und Plastik gestaltet: Er symbolisiert das Thema Plastikmüll in den Meeren. Welche Auswirkung hat unser Konsum auf die Umwelt? Der Zugang zur Thematik über das kreative Kunstprojekt eröffnet eine andere Verstehensweise und ist ein niedrigschwelliger Weg, Zugang zum Thema zu finden. Der Fisch wurde beim Carnival der Kulturen vorgestellt und schwimmt nun auf dem Trockenen.
  • Der Carnival der Kulturen versteht sich als kreatives Plädoyer für kulturelle Vielfalt und Toleranz. 23 Mal fand er bisher in Bielefeld statt und ist ein wesentliches Ereignis in der Stadt, das für kulturelle Vielfalt steht. Menschen engagieren sich über Monate ehrenamtlich, um mit zu marschieren. Sie bereiten sich mit Mühe und vielen Ideen vor, basteln Kostüme und Wagen.
  • Im Vordergrund steht hier, dass das Engagement an sich, das Eintreten für die Interessen aller gestützt werden soll. Wer nicht aktiv beim Carnival mitmachen möchte, kann dies auf andere Weisen tun, zum Beispiel mit der Beteiligung an der Spendenaktion.


O-Ton Beate Wolff vom Welthaus Bielefeld


Wohin? Weltwärts!

Darüber hinaus betreibt das Welthaus noch weitere Projekte. So ist das Welthaus Bielefeld Entsendeorganisation bei dem Programm „Weltwärts“, dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst, der vom Bund gefördert wird. Das Programm bietet jungen Menschen die Möglichkeit, in Länder des globalen Südens zu gehen, um Lernerfahrungen zu sammeln. Der Blick soll sich erweitern. Es geht nicht in erster Linie darum, Wissen mitzubringen  oder den Menschen vor Ort etwas beizubringen, sondern darum, persönlich zu wachsen. Seit fünf Jahren bringt ein Teil des Programms Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland. Die Gäste wohnen in Familien in Bielefeld und Umgebung, es gibt Einsatzstellen wie zum Beispiel einen Biohof oder eine Kita. Die jungen Erwachsenen lernen Deutsch, bleiben teilweise auch für eine Ausbildung hier. Die Gäste sind in der Regel ein Jahr hier. Die Aufenthaltszeit für Interessenten aus dem globalem Süden liegt bei 18 Monaten.

Das Programm ermöglicht Begegnungen von Menschen, was aus Sicht von Welthaus-Geschäftsführerin Beate Wolff viel veränderte. Der Austausch hinterlässt nachhaltigen Eindruck und es sei zu beobachten, dass sich diese Menschen nach ihren Erfahrungen, auch nachhaltig engagieren.

Im Welthaus Bielefeld gibt es viele Arbeitsbereiche, die sich gegenseitig ergänzen. Die Bereiche haben unterschiedliche Inhalte bzw. Formen der Umsetzung, doch verfolgen sie alle das gleiche Projektziel: „eine gerechtere  Welt ohne Armut“. Prägnant ist der Bildungsbereich, der dafür sorgt, dass im Inland selbst informiert wird, welche Auswirkungen das Verhalten vom Norden auf den globalen Süden hat.

Der Kulturbereich beinhaltet z.B. den Carnival der Kulturen, viele Jahre geleitet von Michael Lesemann und nun in die Hände von Kulturereferent Stefan Noltze übergegangen, der auch das Fairfestival organisiert.

Für den einen oder anderen schon bekannt ist das Café an der Ecke der August-Bebel-Straße: Es feierte im August seinen fünften Geburtstag. Das Café ist ein Ort der Begegnungen, an dem es auch Veranstaltungen gibt. Fairer Handel, Weltmusikkonzerte, Poetry Slam, Kneipenquiz, Podiumsdiskussionen, Märchenerzählungen – dies und mehr lockt ins Café. Der Veranstaltungskalender steht auf der Internetseite vom Welthaus. Natürlich geht das Welthaus mit der Zeit und ist auch bei Facebook und auf Instagram zu finden.

Es gibt weitere Auslandsprojekte neben Weltwärts, die zusammen mit Partnern in Lateinamerika und Afrika entwickelt werden. Förder- und Spendengelder werden eingesammelt und finanzieren die Projekte dort. Beachtlich, dass auch ein so aufwändiges Vorhaben vor allem von Ehrenamtlichen gestemmt wird. Sie organisieren sich in Hausgruppen und fahren in die Partnerländer. Hier weiß man sehr genau, wohin die Spendengelder fließen und dass sie sinnvoll eingesetzt werden.

In den letzten Jahren immer mehr durchgesetzt hat sich das Foodsharing in Bielefeld. Auch im Welthaus steht ein Verteiler von Foodsharing. Gerettete Lebensmittel werden gebracht. Das Café ist zentrale Anlaufstelle, sodass Interessenten das Programm nutzen können.

Wirklich beachtlich, was mit Wille und Engagement möglich gemacht werden kann!