Kinder möchten Stadt Bielefeld als Kunterbunte Kinderstadt sehen. Sie haben die Tapete selber gebastelt und im Stadtteil zur Verschönerung aufgehängt (Foto: Kinderstadt)
Jugend Bildung

So sehen Kinder ihre Stadt

Zum Jahr der Demokratie

So sehen Kinder ihre Stadt

Was macht den Ort zum Lieblingsort?

Von Mariya Zhovnovska

Wir, die wir in Bielefeld leben, lieben unsere Stadt. Manche finden die Stadt sehr schön, andere nicht so schön. Ist ja klar, es gibt immer etwas, was verbessert werden muss. Eine aktuelle und sehr wichtige Aufgabe steht fest: herauszufinden, wie Kinder ihre Umgebung und ihren Stadtteil erleben – um zu lernen, wie eine kinder- und jugendfreundliche Stadt aussehen sollte.

Kinder möchten Stadt Bielefeld als Kunterbunte Kinderstadt sehen. Sie haben die Tapete selber gebastelt und im Stadtteil zur Verschönerung aufgehängt (© Kinderstadt)
Kinder möchten ihre Stadt Bielefeld als kunterbunte Kinderstadt sehen. Sie haben die Tapete selbst gebastelt und im Stadtteil zur Verschönerung aufgehängt (Foto: Kinderstadt)

Ein Projekt im Rahmen des Bielefelder Jahres der Demokratie 2019 galt der Partizipation und Demokratiebildung von Kindern. Dafür hat sich Erika Schulze, Professorin für Kindheits- und Jugendsoziologie an der Fachhochschule Bielefeld, mit dem Sozialpädagogen Nils Bensch und den Kindern der 3. Klasse aus der Hellingskampschule an der Herforder Straße zusammengetan. Gemeinsam wollen die Kooperationspartner herausfinden, wie der öffentliche städtische Raum gestaltet sein soll, damit Kinder sich wohlfühlen. Die kindliche Sicht und die kindlichen Bedürfnisse kennenzulernen und dann auch künftig zu berücksichtigen – das ist das Ziel des Projekts.

Die Kinder hatten die Orte im Stadtteil gesucht und auf der Karte markiert an denen es die Möglichkeit gibt zu spielen (© Kinderstadt)
Die Kinder hatten die Orte im Stadtteil gesucht und auf der Karte markiert an denen es die Möglichkeit gibt zu spielen (Foto: Kinderstadt)

Die Kinder haben ihre ganz eigene Sicht auf den Stadtteil, auf die Orte, an denen sie sich bewegen, auf die Schulwege, die sie jeden Morgen zu bewältigen haben. In diesem Projekt geht es darum, den Stadtteil auch für die Kinder benutzbar und bespielbar zu machen, ihn so zu gestalten, dass er auch den Bedürfnissen von Kindern gerecht wird. Denn die „Kinderorte“ in der Stadt sind grundsätzlich institutionell abgetrennt: Spielplätze, Kindergärten, das Kinderklinikum sind immer „extra“. Die Initiatoren finden es wichtig, bei der städtischen Entwicklung die kindlichen Sichtweisen zu integrieren – nicht nur bei der Gestaltung von Spielplätzen. Denn Kinder sind wache Beobachter und ihr Blick auf ihre Umgebung, ihre Wünsche, Träume, aber auch Ängste an bestimmten Orten können wichtige Hinweise darauf geben, was eine lebenswerte Stadt ausmacht. Einerseits.

In Bielefeld lernen schon die Kinder, wie Demokratie geht

Andererseits und ganz nebenbei ist das Projekt selbst ein Stück Demokratieerfahrung: Indem Kinder in Planungsüberlegungen einbezogen werden, indem sie erleben, dass ihre Meinung zählt und ihre Stimme gehört wird, erleben sie sich als Akteure. Sie machen die konkrete Erfahrung von Partizipation und Teilhabe.

Die Kinder haben Mühlsammelaktion organisiert, weil sie sich durch den Müll gestört fühlen (© Kinderstadt)
Die Kinder haben eine Müllsammelaktion organisiert, weil sie sich durch den Müll gestört fühlen (Foto: Kinderstadt)

Es gab viele Aktionen während des Projekts: Kinder hängten selbst gestaltete Plakate auf, damit ihr Stadtteil bunter und lebendiger aussieht. Sie organisierten einen Spielplatz-Check und erforschten Ausstattung und Zustand der Spielplätze. Sie sammelten Müll, um die Straßen sauberer zu machen und stellten dabei fest, dass es zu wenig Papierkörbe und Mülleimer gibt.

Und auch das war ein Fazit des Projekts: Die drei jungen Studentinnen und Praktikantinnen aus dem Begleitteam sind überzeugt, dass alle teilnehmenden Kinder ganz viel Spaß hatten und voll engagiert bei der Sache waren. Die kleinen Bürgerinnen und Bürger waren sehr stolz darauf, dass ihre Beobachtungen wichtig waren und wertgeschätzt wurden und dass sie Einfluss auf die Gestaltung des städtischen Raum haben können.

Zum Abschluss des Projektes im November werden im Bielefelder Rathaus alle Ideen und Wünsche der Kinder präsentiert. Bleibt zu hoffen, dass in Bielefeld die Expertise der Kinder auch über das Projekt hinaus gefragt bleibt, wenn es um konkrete Planungen geht.

Weil Kinder unsere Zukunft sind.