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Zum Wohle der Menschen und der Umwelt

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Zum Wohle der Menschen und der Umwelt

Schüler*innen Hans-Ehrenberg-Schule unterziehen den Biohof Gut Wilhelmsdorf einer Gemeinwohl-Bilanz

Von Mariya Zhovnovska

Im jetzigen ökonomischen System ist Gewinnmaximierung das oberste Ziel wirtschaftlichen Handelns. Geld ist zum Selbstzweck geworden statt ein Mittel zu sein für das, was wirklich zählt: ein gutes Leben für alle. In diesem Sinne äußert sich Christian Felber, der Mitbegründer der Geweinwohl-Ökonomie-Bewegung.

  • Auch die Lieferanten, die für das Gut Wilhelmsdorf tätig sind, werden unter vier Aspekten geprüft: Menschenwürde; Solidarität und Gerechtigkeit; Ökologische Nachhaltigkeit; Transparenz und Mitentscheidung | Foto: Gemeinwohl-Ökonomie Bielefeld/ Lisa Schmidt, aktuelle Version 5.0

Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist ein alternatives Wirtschaftsmodell, nach dem nicht die Vermehrung des Kapitals, sondern das Wohl aller im Mittelpunkt steht. Entsprechend gelten als Richtwerte für unternehmerisches Tun „Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitbestimmung“. Wie diese Werte im betrieblichen Alltag gelebt werden, wird in der sogenannten Gemeinwohl-Bilanz, dem Herzstück der GWÖ, anhand der Gemeinwohl-Matrix geprüft. Die Gemeinwohl-Bilanz dient dem Unternehmen sowohl als Spiegel als auch als Kompass für die Weiterentwicklung in Richtung ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeit.

Ein Projektkurs der Klasse Q-1 der Hans-Ehrenberg-Schule in Sennestadt hat sich im laufenden Schuljahr 2019/20 auf den Weg gemacht, den Bioland-Hof Gut Wilhelmsdorf einer Gemeinwohl-Bilanz zu unterziehen und ihn daraufhin zu überprüfen, in wieweit er im Kontakt mit Lieferant*Innen, Finanzpartner*Innen, Mitarbeitenden, Kund*Innen und dem gesellschaftlichen Umfeld die allgemeinen Maxime der GWÖ bereits umsetzt.

Begleitet und unterstützt werden die Schülerinnen und Schüler dabei von ihrer Projektkurslehrerin Lisa Schmied, der Betriebsleiterin des Hofes Friederike Hegselmann, der Studentin der Fachhochschule Lisa Schnellbügel, die Gemeinwohl-Ökonomie bei Professor Oliver Bierhoff studiert sowie vier ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Gemeinwohl-Regionalgruppe Bielefeld.

Und zumindest in der Anfangsphase und während des Einarbeitungs- und Planungsprozesses steht den Schüler*innen darüber hinaus noch der professionelle GWÖ-Berater Tobias Daur zur Seite, der aus den Fördermitteln der Stadt Bielefeld honoriert werden konnte.

Verantwortungsbewusst wirtschaften – mit Zertifikat

Am Ende des Bilanzierungsprozesses müsste das Gut Wilhelmsdorf sich noch einem externen Audit unterziehen, bevor der Bioland-Hof schließlich das begehrte Zertifikat erhält. Lohnt sich der Aufwand für den Betrieb überhaupt? Davon sind die Vertreter der GWÖ überzeugt. Die Zertifizierung führt zur Verbesserung und Veränderung aller Prozesse im Unternehmen – eben weil neben wirtschaftlichen Tätigkeiten auch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigt werden. Betriebe, die nachprüfbar und in jeder Hinsicht ethisch verantwortungsbewusst und nachhaltig agieren, steigern damit auch ihre Reputation: Sie können leichter Vertrauen aufbauen und sind weniger krisenanfällig.

Der Weg zu einer GWÖ-Zertifizierung steht allen Unternehmen offen. Voraussetzung sind die Bilanzierung und das externe Audit. Beratung bieten die Gemeinwohl-Vereine. Alle Informationen stehen online zur Verfügung: ecogood.org.

Es ist wohl noch ein weiter Weg, bis das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie sich durchgesetzt hat. Aber es ist ein guter Weg, der auch die Interessen zukünftiger Generationen im Blick hat – ein Weg, auf dem sich die Wirtschaft ethisch und demokratisch verändert.